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Im Marktoberdorfer Stadtmuseum zeugt eine runde Holzscheibe mit kleinem Span von einer längst vergangenen und fast vergessenen gemeindlichen Einrichtung: der Kirchenwache.

 

Die Kirchenwache, oder Kirchenwacht, war eine alte Tradition, die auf den Dreißigjährigen Krieg zurückgehen soll. Als während diesem plündernde Soldaten durchs Land zogen, war es notwendig, Wacht zu halten, während die gesamte Ortsgemeinde zum sonntäglichen Gottesdienst in der Kirche versammelt war.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war die Kirchenwache bayernweit noch stark verbreitet. Im Marktoberdorfer Stadtteil Geisenried wurde die Kirchenwache nachgewiesenermaßen bis in die späten 1960er Jahre durchgeführt.  Für die Dauer des Gottesdienstes hatte ein mit Kirchwachtspieß und Signalhorn ausgestatteter Einwohner der Gemeinde die Aufgabe, patrouillierend durch die Straßen und Gassen zu gehen, um Feuergefahr, Diebstahl, Einbruch und mutwillige Beschädigungen von gemeindlichen und privaten Eigentum abzuwehren und gegebenenfalls Alarm zu schlagen. Wenn die Bewohner des Ortes nach dem Kirchgang wieder daheim waren, wurde der Spieß an den nächsten, häufig den Nachbarn, weitergegeben.

Dem Marktoberdorfer Stadtmuseum ist neben dem Kirchwachtspieß auch der Kalender der Kirchenwache erhalten geblieben. Dieser Kalender, eine runde Holzscheibe, ist mit 165 kreisförmig angeordneten Lochbohrungen versehen, welche die Nummern 1-164 tragen und den damaligen Marktoberdorfer Hausnummern entsprachen.

Da der Kalender der Kirchenwache in der St. Martins-Kirche hing, war für jeden Bewohner ersichtlich, wer aktuell mit der Kirchenwache und somit der Sicherung des Gemein- und Privatgutes beauftragt war. Neben dem Weitergeben des Kirchwachtspießes war es in Marktoberdorf nämlich auch üblich, den Holzspan im Kirchwachtkalender nach dem Ende der Wache in die Hausnummer rechts neben der Eigenen zu stecken.

 

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