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Kaum noch zu erkennen war die vom Efeu überwachsene Inschrift des Familiengrabes der ehrwürdigen und über die Grenzen Marktoberdorfs hinaus bekannten Kaufmannsfamilie mit dem wohlklingenden Namen Gulielminetti. Die Mitglieder des Heimatvereins Marktoberdorf e.V. haben es sich nun zur Aufgabe gemacht, den Grabstein, der sich nördlich der St.-Martin-Kirche auf dem alten Friedhofsteil befindet, von allerhand Gewächs zu befreien. In goldenen Lettern, erneut durch Firma Xaver Rieger, ist nun gut zu lesen, dass hier unter anderem Gaudenz (II.) (geb. 1840, verst. 1908) und Lina (geb. 1851, verst. 1922) Gulielminetti, Eltern von Anton, Josef, Xaver und Carl Gulielminetti, ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

 

Wer kennt sie nicht, das Gulielminetti Seniorenwohn- und Pflegeheim, die Gulielminetti-Straße oder das ehemalige Gesundheitsamt am Marktplatz, das ehemals unter dem Namen Kolonialwarenhandel Gaudenz Gulielminetti firmierte?

 

Die Familie Gulielminetti siedelte 1802 aus der Republik Mailand nach Oberdorf über. Die Brüder Joseph, Michael und Gaudenz (I.) handelten damals mit Zinnkrügen, Seiden- und Wollwaren auf Jahrmärkten. Mehrmals hatte Joseph versucht, eine Konzession zum Betreiben eines Geschäfts in Oberdorf zu erhalten. Dies wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, dass die Aufnahme als Bürger und ein Hauskauf nur bewilligt würden, wenn er weder einen Krämerladen noch einen anderen Laden zum Nachteil der übrigen fünf Krämer errichte. Erst Gaudenz Gulielminetti, der jüngste der drei Brüder, erhielt eine personelle Krämers Konzession.

 

1830 erwarb er das Haus 64, das später das Rathaus wurde. Sein Sohn Joseph Anton übernahm das Haus mitsamt der Konzession. Große Berühmtheit erlangten die Söhne von Gaudenz II und Lina Gulielminetti. Anton, Dr. phil und Dr. theol., der ältere der beiden Brüder und Namensgeber der Gulielminetti-Straße, wurde am 27. Oktober 1872 in Markt Oberdorf geboren. Sein sehnlichster Wunsch war es schon von Kindesbeinen an, Geistlicher zu werden. Nach dem Besuch einer zweiklassigen Lateinschule in wechselte er an das Humanistische Gymnasium in Dillingen. In den Jahren 1893 bis 1897 studierte er an der Phil.-theol. Hochschule in Dillingen und bereitete sich als Alumnus des Priesterseminars auf die spätere geistliche Tätigkeit vor. Am 25. Juli 1897 empfing er die Priesterweihe. In den folgenden Jahren wirkte er ein Jahr als Hilfspriester in Erkheim, neun Jahre als Kaplan in Kempten, sechs Jahre als Prediger in Neuburg an der Donau. Die Universität Würzburg verlieh ihm 1910 den Doktortitel für seine Arbeit „Clemens Wenzeslaus, der letzte Fürstbischof von Augsburg, und die religiös-kirchliche Reformbewegung“. 1917 erhielt er von der Universität München einen zusätzlichen Doktortitel für sein Schriftstück „Das Volksschulwesen im Hochstift und Bistum Augsburg unter dem letzten Fürstbischof Clemens Wenzeslaus“. Anschließend widmete er sich als Lehrer seiner eigentlichen Profession, bei der er es bis zu dem Titel Oberstudienrat schaffte. Im Alter von 65 Jahren trat er am 1. November 1937 in den Ruhestand ein. Am 16. April 1940 starb er an den Folgen eines Gehirnschlags. Sein Leichnam wurde im Münchner Waldfriedhof beigesetzt.

 

 

Antons Zwillingsbruder Joseph starb früh mit 28 Jahren.

 

Xaver Gullielminetti ebenfalls Theologe brachte es zum Schulrat in Dillingen.

 

Carl, der jüngste von vier Brüdern, wurde am 17. Februar 1887 in Marktoberdorf geboren. Nach der Rückkehr aus dem I. Weltkrieg gründete er ein Bankgeschäft und trat nach der Aufgabe des Geschäfts eine leitende Stellung in einer Münchner Bank an. Im Jahre 1924 übernahm er in der Theatiner-Straße in München das Lampenfachgeschäft Rau. Seiner Marktoberdorfer Heimat blieb er immer treu.

 

Am 15. August 1919 regte Carl Gulielminetti als Gemeinderat an, eine Kurtaxe zu erheben, da die Gemeinde bereits zu dieser Zeit als bekannter Luftkurort eine sehr große Zahl meist unangemeldeter Fremder beherbergte. Noch im gleichen Jahr wurde eine Kurtaxe eingeführt. 

 

Seine Jugenderinnerungen, die er als junger Mann im Vorstand der Turnerfeuerwehr, als Mitglied des Gemeinderats und des Theatervereins sammelte, sowie köstliche Geschichten, Begebenheiten und Kuriositäten aus Marktoberdorf fasste er 1953 in dem Buch „Allarhand Duranand“ zusammen. Aus Ärger, weil die Oberdorfer Bürger und Neubürger den Dialekt nicht lesen wollten, ließ er die restlichen Büchlein einstampfen. Heute haben die noch existierenden Exemplare unter „Oberdorf Kennern“ Seltenheitswert.

 

Nach seinem Tod 1967 vererbte er der Stadt eine Immobilie, mit deren Verkaufserlös das Seniorenwohnheim Gulielminetti gebaut werden konnte.

 

Zu seinem 80. Geburtstag erhielt er von der Stadt Marktoberdorf die silberne Bürgermedaille für die Verdienste um seine Heimatgemeinde.

 

Er starb 1967 kinderlos in München und fand dort neben seiner Frau die letzte Ruhestätte.

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