Mit Aberglaube und Volksmedizin im Ostallgäu befasst sich ein Hoigarten des Heimatvereins Marktoberdorf im Königswirt in Bertoldshofen am Sonntag, dem 18. Januar, um 18.00 Uhr: Die Menschen fühlten sich früher von verschiedenen Mächten wie Wiedergängern, Schicksalsschlägen und Unglücken, von Krankheiten und Verletzungen sowie von Hexen, Druden und Zauberern bedroht. Sie versuchten, sich davor zu schützen und entwickelten vielfältige Hilfen und Schutzmechanismen. Herbert Eigler hat in vielen Begegnungen zusammengetragen, von welchen Handlungen, Gegenständen oder gar besonders befähigten Personen sie sich Hilfe erhofften. Zum Zeil hat sich der Glaube daran bis in unsere Gegenwart erhalten. Das Spektrum der Themen ist groß; unerklärlich, geheimnisvoll und manchmal auch skurril muten sie uns heute an: Warum legte man Toten eine Münze in den Mund? Was sind Besenkapellen? Was hat es mit dem Brandlöschen, Schmerzstillen, Blutstillen und mit Drudensteinen auf sich? Wozu wurden die Schabfiguren und Schluckbilder, die im Stadtmuseum Marktoberdorf ausgestellt sind, verwendet? Gibt es in der Neuzeit immer noch Schadenszauber? Und was sind das für geheimnisvolle Bücher, über die im Allgäu immer wieder gemunkelt wird? Viele Fragen! - Manche Antworten gibt Herbert Eigler in seinem Vortrag.

 

Hoigarten „Aberglaube und Volksmedizin im Ostallgäu“ 

Wo: im Königswirt in Bertoldshofen 

Wann: Sonntag, 18. Januar 2026 um 18.00 Uhr 

Der Eintritt ist frei (Spenden erwünscht), der Saal ist bewirtschaftet.

 

Um Voranmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Tel. 0171 1984250 bis zum 15.1.2026 wird gebeten.

Text: Kornelia Hieber / Foto: Herbert Eigler

 

 

Gut besucht war der Vortrag von Siegfried Laferton über den „Fall Hans Geiger“, der sich in der Zeit des Nationalsozialismus im Markt Oberdorf ereignete. Der Sägewerksbesitzer war von zweien seiner Mitarbeiter denunziert worden; Er wurde verhaftet und verhört, seine Familie wurde drangsaliert und ihm wurde der Prozess gemacht. Der Vorwurf gegen ihn: Er hatte seine Mitarbeiter gerügt, weil sie ohne sein Wissen eine große Hakenkreuzfahne im Sägewerk gehisst hatten. Nachdem sich bereits eine Serie in der Allgäuer Zeitung mit dem Thema befasst hatte, veröffentlichte der Heimatverein im April 2025 darüber eine Ausgabe seiner „Marktoberdorfer Heimatblätter“ in einer durch neue Erkenntnisse erweiterten Fassung. Wegen des anhaltenden Interesses entschloss man sich zu einem Nachdruck und lud zu dem Vortrag ein.

 

Neu in die Geschichte eingeflossen ist der Schriftwechsel von Rosa Wothe – einer Freundin von Geigers Frau Aurelie. Laferton hat ihn ausgewertet und Zusatzfunde zur Vorgeschichte der NS-Zeit bis zu den unmittelbaren Nachkriegstagen darin gefunden. Er stellt in dem Heft aber auch dar, was die Nationalsozialisten unternahmen, um Land und Ort in den Griff zu bekommen, so dass niemand sein bisheriges Leben unbeeinflusst weiterführen konnte. Reichlich Material dazu fand er im Markt Oberdorfer Landboten. Die Vorgehensweisen der hiesigen NS-Partei hat er in die vier Strategien „verführen, disziplinieren, einschüchtern und wegsperren“ eingeteilt. An Beispielen wie de, Weihnachtsfest, der Sonnwendfeier oder dem Aufstellen des Maibaums zeigte Laferton auf, wie die Nazis das öffentliche Leben im Markt Oberdorf nach ihren Vorgaben umgestalteten. Auch zu den Themen Disziplinieren und Einschüchtern verwies er auf örtliche Beispiele und nicht zuletzt auf die Person Hans Geigers, welcher zwar den Justizpalast als freier Mann verlassen konnte, sein Wohnhaus in Ortsmitte jedoch der örtlichen Nazipartei überlassen musste. Für die Aufarbeitung des juristischen Prozesses stützte sich Laferton auf den Akt des Sondergerichts in München, der heute im Staatsarchiv München verwahrt wird.  

Restexemplare der Marktoberdorfer Heimatblätter über den Fall Hans Geiger sind im Stadtarchiv (08342 4008-81 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) gegen eine Schutzgebühr von 4 Euro erhältlich.

Text: Kornelia Hieber

Foto: Rosi Klimm

 

 

Memmingen – Plötzlich wird es still in der alten Kramerzunft am Weinmarkt. Dann ertönt eine Stimme von oben. Die reich verzierte Holzdecke beginnt zu erzählen: von den Zwölf Artikeln, die hier 1525 von den Bauern formuliert wurden und die als erstes Grundrechtsdokument Europas gelten. Mit dieser eindrucksvollen Licht- und Toninstallation tauchten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Stadtmuseums Marktoberdorf und Mitglieder des Heimatvereins Marktoberdorf in die Geschichte ein.  

Der Jahresausflug führte die Gruppe nach Memmingen, wo derzeit die große Bayernausstellung „Projekt Freiheit – Memmingen 1525“ zu sehen ist. In zwei Führungen erfuhren die Teilnehmenden, wie die Forderungen nach Freiheit, Mitbestimmung und Gerechtigkeit im Bauernkrieg ihren Anfang nahmen. Die Ausstellung zeichnet die Entstehung der „Zwölf Artikel“ nach und macht diesen historischen Moment durch multimediales Storytelling, barrierefreie Angebote und interaktive Stationen für alle Besuchergruppen lebendig erlebbar.  

Einen besonderen Eindruck hinterließ auch der Besuch der Kramerzunft, wo eine Licht- und Toninstallation die historische Stube selbst „sprechen“ lässt. Ergänzend erkundete die Gruppe die Museen im Antonierhaus: das Antoniter-Museum mit seiner Spitalgeschichte sowie das Strigel-Museum mit Kunstwerken der Memminger Künstlerfamilie. Bei einem gemeinsamen Mittagessen klang der Ausflug gesellig aus.

  

Die Marktoberdorfer Museumsaufsichten und Mitglieder des Heimatvereins vor dem Antonierhaus in Memmingen

beim Jahresausflug 2025

Text und Foto: Josephine Berger

 

 

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