Der Heimatverein lädt ein zu einer Lesung der ehemaligen Stadtarchivarin Ursula Thamm aus den Kriegstagebüchern des Oberdorfer Soldaten Vinzenz von Paul Kustermann. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg und beschreibt darin seine Erlebnisse und Empfindungen, die angesichts vielerorts herrschender Kriege und kriegerischer Konflikte wieder eine erschreckende Aktualität haben.
Thamm hat die Tagebücher aufgearbeitet und editiert und sagt dazu: „Viele Jahrzehnte dominierte die Vogelperspektive von Generälen, aber auch von Historikern, die Kriegsgeschichtsschreibung. Die Tagebücher des Vinzenz von Paul Kustermann erlauben uns nun, mitten hinein in die Geschehnisse des Ersten Weltkrieges zu tauchen. Todesängste, dunkle Vorahnungen, Schmerz und Sehnsüchte dieses 23-Jährigen begegnen uns hier, aber auch Melancholie, Pathos und Poesie. Das ganze Ausmaß begreift man aber erst mit der Ergriffenheit, die Vinzenz von Paul Kustermanns individuelle Verzweiflung, teils poetisch durchformuliert, auslöst. Die Bedeutung dieser Tagebücher für Gegenwart und Zukunft liegt in der Persönlichkeit Vinzenz von Paul Kustermanns als Opfer der Kriegspolitik und seiner Absicht, das schreckliche Geschehen, durchaus mahnend, mitzuteilen.“
Info: Lesung aus den Kriegstagebüchern des Soldaten Vinzenz von Paul Kustermann durch die Autorin Ursula Thamm am Montag, 09.11.2026 um 18.00 Uhr im Hartmannhaus, Meichelbeckstraße 16, 87616 Marktoberdorf.
Anmeldung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder 0171-1984 250 bis zum 7. November.
Eintritt frei
Text: Kornelia Hieber
Foto: Foto Hotter
Ein großes Thema beschäftigt Dr. Gottfried Schäfer (91): der Tod seiner Frau und Gefährtin seines Lebens, die er jahrelang gepflegt hatte. Den schweren Verlust verarbeitet er in seinen Gedichten, aus denen er auf Einladung des Heimatvereins im Hartmannhaus las. Seine Gedichte sind besonders: Ohne Punkt und Komma, alles klein geschrieben, keine festen Reime und kein starres Versmaß. Oft ist ihr Ausgangspunkt die Natur, eine alltägliche Beobachtung, eine Begegnung, eine Empfindung. Trauer und Einsamkeit, Angst und Freude, aber auch Humor und Trost liegen darin. Schnell führen sie zu unerwarteten Bildern und Wendungen, und oft enden sie bei Gedanken an die Verstorbene, die dadurch wieder gegenwärtig wird. Mit Leben erfüllt wurden sie durch die Art, wie Dr. Schäfer sie vortrug: pointiert, kraftvoll im Rhythmus der Sprache schwelgend, die er so virtuos zu Papier gebracht hat.

Dr. Gottfried Schäfer im Hartmannhaus
Nur ein kleiner Kreis von Zuhörern hatte sich eingefunden, darunter mehrere, die sich in der gleichen Lebenssituation wie der Dichter befinden. Alle waren berührt und auch bezaubert vom Gehörten. Die Gedichtbände „Das andere Licht“ und „Halbträume“, aus denen der Autor las, können in der Buchhandlung Eselsohr erworben werden.
Text und Foto: Kornelia Hieber
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