Ein großes Thema beschäftigt Dr. Gottfried Schäfer (91): der Tod seiner Frau und Gefährtin seines Lebens, die er jahrelang gepflegt hatte. Den schweren Verlust verarbeitet er in seinen Gedichten, aus denen er auf Einladung des Heimatvereins im Hartmannhaus las. Seine Gedichte sind besonders: Ohne Punkt und Komma, alles klein geschrieben, keine festen Reime und kein starres Versmaß. Oft ist ihr Ausgangspunkt die Natur, eine alltägliche Beobachtung, eine Begegnung, eine Empfindung. Trauer und Einsamkeit, Angst und Freude, aber auch Humor und Trost liegen darin. Schnell führen sie zu unerwarteten Bildern und Wendungen, und oft enden sie bei Gedanken an die Verstorbene, die dadurch wieder gegenwärtig wird. Mit Leben erfüllt wurden sie durch die Art, wie Dr. Schäfer sie vortrug: pointiert, kraftvoll im Rhythmus der Sprache schwelgend, die er so virtuos zu Papier gebracht hat.

Dr. Gottfried Schäfer im Hartmannhaus
Nur ein kleiner Kreis von Zuhörern hatte sich eingefunden, darunter mehrere, die sich in der gleichen Lebenssituation wie der Dichter befinden. Alle waren berührt und auch bezaubert vom Gehörten. Die Gedichtbände „Das andere Licht“ und „Halbträume“, aus denen der Autor las, können in der Buchhandlung Eselsohr erworben werden.
Text und Foto: Kornelia Hieber