Was macht ein Mediziner, dessen große Leidenschaft die Botanik ist, wenn er seine Doktorarbeit schreibt? Von dem Arzt und Chirurgen Alois Frölich, der 1766 und somit nach dem Stadtbrand von 1759 in der Steinwirtschaft zu Oberdorf geboren wurde, ist das bekannt: Er wählte sich ein botanisches Thema, das der Medizin einen Nutzen brachte. „De Gentiana“ – „vom Enzian“ - handelte seine Arbeit. Das gab ihm die Gelegenheit, die zahlreichen Heilwirkungen speziell des Gelben Enzians abzuhandeln. Vor allem ermöglichte es ihm, eine Systematik für die Gattung dieser Pflanzen zu entwickeln und ihre zahlreichen Variationen und Vorkommen zu erfassen und zu beschreiben. Frölich griff dabei nicht nur auf Bibliothekswissen zurück, sondern er hatte das Allgäu und viele angrenzende Landschaften bereist und sich ein umfangreiches Herbarium angelegt. Die Doktorarbeit widmete er seinem Gönner Clemens Wenzeslaus, der ihm in Wien zwei medizinische Studiensemester finanziert hatte. Johann Bauer gab in seinem Vortrag einen Einblick in die botanische Arbeit Frölichs und zeigte eine ganze Fülle verschiedener Enzianarten auf. Vorher hatte er die lange Studienzeit (1784-96) erläutert und auch über Frölichs Halbbruder gesprochen: Das war Johann Michael Feneberg, der als Pfarrer in Seeg wirkte und ihn auch getraut hatte. Sein Berufsweg führte Frölich nach Ellwangen, wo er eine große Aufgabenfülle wahrnahm: Er war Arzt für die Dienerschaft des Stiftes und für die Armen in Stadt und Land, er überwachte die Apotheken, Wundärzte und Hebammen, er führte ärztliche Untersuchungen in Kriminalfällen durch, behandelte die kaiserlichen Truppen im Militärspital. Er war als Mineraloge Berater des Bergamtes, königlicher Leibmedicus und bekämpfte als Oberamtsarzt erfolgreich einen Typhusausbruch in Heidenheim. Trotzdem fand er noch Zeit für seine botanischen Studien. Insbesondere die Gattung der Habichtskräuter war Gegenstand seiner Forschungen, wie Johann Bauer anhand zahlreicher Fotos nachzeichnete. Was bleibt von seiner außergewöhnlichen Karriere? Zahlreiche von ihm entdeckte Pflanzen tragen seinen Namen in ihrer Bezeichnung, wie zum Beispiel „Gentiana froelichii“, der Frölich-Enzian. Und natürlich die Froelichstraße in Marktoberdorf, die ihm gewidmet ist. Der Vortrag verband aufs Beste Heimatgeschichte mit Naturkunde und Botanik, von Johann Bauer mit großem Fachwissen und Detailliebe recherchiert. Dem Publikum gefiel das ausnehmend gut.

 

Text: Kornelia Hieber

Fotos: Johann Bauer

 

 

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