Nachbericht zum Vortrag von Johann Bauer am 16.4.24

Am Bärensee, südlich von Kaufbeuren, begann Johann Bauer seine Vortragsreise entlang der „zahmen“ Wertach. Der ist entstanden aus einer Wertachschleife, deren Engstelle wahrscheinlich in den Jahren 1900 bis 1920 durchgebrochen ist. Durch den Aufstau für das Wasserkraftwerk bekam er dann seine charakteristische Form.

Eine Karte der Stadt Kaufbeuren Anfang des 19. Jahrhunderts veranschaulichte die dortigen Wassernutzungen. Sie zeigt das Wehr, mit welchem der Mühlbach von der Wertach abgeleitet wird, seinen Verlauf und seine Rückführung in den Fluss. Die Kaufbeurer Mühlen und die Textilfärbereien brauchten eine verlässliche Wasserversorgung. Deshalb wurde der künstliche „Mühlbach“ angelegt, der unabhängig von Niedrig- oder Hochwasser an der Wertach oder von Änderungen im Flusslauf für einen gleichmäßigen Wasserstand sorgte. Doch woher kommt das Wasser des Jordanparkes, der weder am Mühlbach noch an der Wertach liegt? „Ein Kaufbeurer Student hat das in seiner Diplomarbeit untersucht und herausgefunden, dass das Wasser vom Apfeltranger Feld stammt, wo der Fliegerhorst liegt. Es versickert vollständig und kommt im Park zu Tage“, wusste Bauer.

Im weiteren Verlauf des Flusses wechseln sich Stauseen und Auwälder ab. Immer wieder stellte Johann Bauer alte und neue Karten des Wertachverlaufs gegenüber und zeigte die Veränderungen auf. Auch an den Talhängen hat sich viel geändert: Hatte er als Student am Leinauer Hang noch umfangreiche Vorkommen von Traubenhyazinthen und Küchenschellen gefunden sowie die seltene Kalkaster, so sei davon heute fast nichts mehr übrig. Auf der gegenüberliegenden Talseite, in einer Lehmgrube, werden in einer Lehmgrube seit den 60er Jahren Fossilien gefunden, zuletzt der Frühmensch Udo. Früher war da ein Biotop der Urwertach, so Bauer.

Zahlreiche Geschichten sowie zahlreiche botanische Raritäten führten die Zuhörer bis in die wasserreiche Stadt Augsburg. An der Singold in Augsburg befanden sich viele Mühlen, bis ein Hochwasser 1588 das Flüsschen so verlegte, dass es schon vor Augsburg in die Wertach mündete. Da leiteten die Augsburger kurzerhand Wasser aus der Wertach über einen Kanal, den sogenannten Senkelbach, zu den Mühlen hin. Der Bach besteht bis heute. In der Wolfzahnau im Norden von Augsburg mündet die Wertach schließlich in den Lech. Dort endete der Vortrag, der geologische, botanische, archäologische und geschichtliche Themen verband und auf ehemalige und noch bestehende Naturschönheiten und Biotope hinwies. Zum Abschluss ein genauer Blick auf den Augustusbrunnen in Augsburg, auf dem die Augsburger Flüsse symbolisch dargestellt sind, Die Wertach ist dort ein Flussgott mit Eichenlaubkranz, Fischernetz und Fisch – ein Hinweis auf den Fischreichtum, der dort einmal herrschte. Die Singold ist als Flussgöttin mit dabei, weil der Brunnen schon fertig war, als ihre Mündung durch das Hochwasser vorverlegt wurde.

Text: Kornelia Hieber

Bilder: Johann Bauer

 

 

 

 

 

 

 

 

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