Gut besucht war der Vortrag von Siegfried Laferton über den „Fall Hans Geiger“, der sich in der Zeit des Nationalsozialismus im Markt Oberdorf ereignete. Der Sägewerksbesitzer war von zweien seiner Mitarbeiter denunziert worden; Er wurde verhaftet und verhört, seine Familie wurde drangsaliert und ihm wurde der Prozess gemacht. Der Vorwurf gegen ihn: Er hatte seine Mitarbeiter gerügt, weil sie ohne sein Wissen eine große Hakenkreuzfahne im Sägewerk gehisst hatten. Nachdem sich bereits eine Serie in der Allgäuer Zeitung mit dem Thema befasst hatte, veröffentlichte der Heimatverein im April 2025 darüber eine Ausgabe seiner „Marktoberdorfer Heimatblätter“ in einer durch neue Erkenntnisse erweiterten Fassung. Wegen des anhaltenden Interesses entschloss man sich zu einem Nachdruck und lud zu dem Vortrag ein.
Neu in die Geschichte eingeflossen ist der Schriftwechsel von Rosa Wothe – einer Freundin von Geigers Frau Aurelie. Laferton hat ihn ausgewertet und Zusatzfunde zur Vorgeschichte der NS-Zeit bis zu den unmittelbaren Nachkriegstagen darin gefunden. Er stellt in dem Heft aber auch dar, was die Nationalsozialisten unternahmen, um Land und Ort in den Griff zu bekommen, so dass niemand sein bisheriges Leben unbeeinflusst weiterführen konnte. Reichlich Material dazu fand er im Markt Oberdorfer Landboten. Die Vorgehensweisen der hiesigen NS-Partei hat er in die vier Strategien „verführen, disziplinieren, einschüchtern und wegsperren“ eingeteilt. An Beispielen wie de, Weihnachtsfest, der Sonnwendfeier oder dem Aufstellen des Maibaums zeigte Laferton auf, wie die Nazis das öffentliche Leben im Markt Oberdorf nach ihren Vorgaben umgestalteten. Auch zu den Themen Disziplinieren und Einschüchtern verwies er auf örtliche Beispiele und nicht zuletzt auf die Person Hans Geigers, welcher zwar den Justizpalast als freier Mann verlassen konnte, sein Wohnhaus in Ortsmitte jedoch der örtlichen Nazipartei überlassen musste. Für die Aufarbeitung des juristischen Prozesses stützte sich Laferton auf den Akt des Sondergerichts in München, der heute im Staatsarchiv München verwahrt wird.
Restexemplare der Marktoberdorfer Heimatblätter über den Fall Hans Geiger sind im Stadtarchiv (08342 4008-81 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) gegen eine Schutzgebühr von 4 Euro erhältlich.
Text: Kornelia Hieber
Foto: Rosi Klimm